Die doppelte Verteibung der Bewohner des Dorfes Protzan
Einleitung
Protzan während des Krieges
Die Russen sind da
Die erste Vertreibung durch die Polen
In der Gewalt der polnischen Miliz
Was im Dorfe geschehen war
In den Fägen der Polen in Neisse
Die Polen sind die neuen Herren in Protzan
Der Mord an Hans Schneider
Herbst und Winter
Die endgültige Vertreibung
Die Fahrt in den Westen
Die schwierige Aufnahme in Westdeutschland
Der Neuanfang nach der Vertreibung
Protzan oder Zwrocóna?
Einleitung
Protzan im Kreis Frankenstein in Schlesien hatte 740 nur deutsche Bewohner. Protzan wurde im Jahr 1175 erstmals
urkundlich erwähnt. Im Besitzerverzeichnis des Klosters Leubus von 1175 ist es als "Dobrogozesdorph"
an dritter Stelle genannt. Es hatte einem gewissen "Dobrogost" gehört, kam aber in den Besitz des
Landesfürsten. Herzog Boleslaus der Lange, Herr von Mittel-und Niederschlesien überließ das Dorf
dem Kloster Leubus, in das er 1163 Zisterzienser aus dem deutschen Kloster Pforta/Saale gerufen hatte. Unser Dorf
Protzan war damals sicher nur eine kleine, aber nicht unbedeutende, slavische Siedlung, die wohl schon auf einer
viel älteren germanisch-silingischen, ja steinzeitlichen, basierte was aus Funden in der Nähe, z.B. eines
Steinbeiles, abzuleiten ist.
Der unterhalb des Kirchberges gelegene Teil des Dorfes ist ein typisches Waldhufen- oder Straßen-Angerdorf
deutscher Siedler. Mit der Verleihung des deutschen Rechtes im Jahr 1240 für den Teil von Protzan der damals
dem Kloster Trebnitz gehörte, erteilte Herzog Heinrich I. die Erlaubnis, deutsche Bauern anzusiedeln. Der andere
Teil des Dorfes hatte bereits 1235 als er in den Besitz des Breslauer Bischofes überging, durch Heinrich I., den
Gemahl der hl.Hedwig, das deutsches Recht erhalten.
Die erste hölzerne Kirche wurde 1241 von den Mongolen niedergebrannt. 1253 wurde das Dorf von Bischof Thomas von
Breslau dem Bischof von Lebus überlassen. Im Jahr 1305 wurde es erstmals als Proczano genannt. Protzan muß
durch die Ansiedlung deutscher Bauern schon bald ein sehr bedeutendes Dorf gewesen sein. Im Jahr 1318 wird der Pfarrer
Arnold von Protzan can.Wratisl., Verfasser eines beachteten Formelbuches, im Zinsregister des Erzpriester Gabriel
von Rimini urkundlich genannt. Durch Testament des Bischofs Apeczco von Lebus vom 24.1.1352 kam Protzan wieder in
den Besitz des Domkapitels von Breslau. Eine nach dem Mongolensturm später in Protzan erbaute Kirche fiel den
Hussittenkämpfen 1419-1434 zum Opfer. Die ursprünglich gotische Kirche wurde wieder hergestellt.
Protzan blieb Kapiteldorf des Breslauer Domes bis zur Säkularisation 1810.
Es gab eine Erbscholtisei, die aber unter Siedler aufgeteilt worden war. Die größeren Bauernhöfe waren
Pauli 71 ha, Schneider 40 ha, Gottwald 35 ha, Felgenhauer Maria geb.Finger 31 ha,
Oppitz 31,5 ha, Jung 25,5 ha, Spittler Max 29 ha, Langnickel 20 ha, Spittler Hermann 20,4 ha, Zwiener Karl 20 ha,
Umlauf 14,7 ha, Bittner Bruno 11,7 ha, Just 15,8 ha.
So war Protzan ein reiches, blühendes Bauerndorf mit Post und Standesamt und der schönen, das Bild des Dorfes
beherrschenden Kirche zu der das große Pfarrgut gehörte, das den Pfarrherren reiche Pachteinnahmen brachte.
Im Jahr 1932 kam nach Pfarrer Dworski Pfarrer Otto Peukert und nach dessen Tod 1943 Pfarrer Georg Kliche nach Protzan.
Drei Schwestern vom Orden der Boromäerinnen führten einen Kindergarten und widmeten sich der Krankenpflege.
Im Dorf blühte auch das kulturelle und das Vereins-Leben.
Mit der nur 4 km entfernten Kreisstadt Frankenstein war Protzan verkehrsmäßig durch die Kleinbahn
gut verbunden. Das Dorf liegt in eine liebliche Landschaft eingebettet nahe am Eulengebirge. Es bot alles für
ein schönes, friedliches Leben. Aber in der langen Geschichte des Dorfes mußten seine Bewohner immer
wieder viel schlimmes erleben. Das Schlimmste aber sollte noch kommen. Es zeichnete sich ab, als am 1.9.1939 der zweite
Weltkrieg begann.
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